Resumee zum 1. Interkulturellen Kunstsymposium

Über das Stolpern beim Volkstanz oder Multikulti sind wir alle
– ein persönliches Resumee von Dieter Halbach

Haben wir nun die Kunst des Zusammenlebens im Symposium praktiziert? Ja und Nein. Ich habe jedenfalls viel über Multikulti gelernt- aber ganz anders als gedacht. Ein altes sozialistisches Bonmot sagt, die Grenze verläuft nicht zwischen den Völkern, sondern zwischen oben und unten. Wie wahr! Aber sie verläuft eben auch in jeder und jedem von uns, manchmal fast unbemerkt.
In unseren Symposium verlief die Grenze jedenfalls nicht in erster Linie zwischen den Heimatlinien -da sind 3 Kurden und 7 Deutsche-, sondern in der Art der Kunstproduktion, hier zwischen Malern und Musikern. Zwei unterschiedliche Künste schufen zwei unterschiedliche Gruppenprozesse. Mir ist dabei bewusst geworden, dass Musik immer ein kollektiver Prozess ist. Wir werden mit unseren Unterschieden gnadenlos und letztendlich begnadet konfrontiert (s. mein Text „Nur ein Lied“) Dagegen entsteht ein Bild individuell und die Kommunikation ist eher atmosphärisch oder findet neben dem Schaffensprozess statt. Jedenfalls fühlten die Maler sich oft von uns Musikern allein gelassen. Zusätzlich arbeiteten wir in 2 verschiedenen Häusern. Das eigentliche Lehrstück für mich war die Beobachtung, wie schnell sich Menschen mit einer Gruppe identifizieren und eine Distanz zu einer anderen aufbauen. Du kannst Menschen in jede beliebige Situation stecken und sie werden versuchen darin einen gemeinsamen Sinn, eine Identität zu finden. Und diese Identität auch gegen andere zu bewahren. So entsteht Gemeinschaft und Sicherheit – aber auch Trennung und Konflikte. Im Extremfall auch Ausgrenzung und Krieg. Manchmal weiß man selbst nicht warum? Manchmal reicht die Seite auf der ich sitze aus, um die Gegenseite als „Gegenseite“ wahr zu nehmen. Aber all diese kleinen Erfahrungen können uns sensibel machen und – gerade wir als Künstler – können sie bewusst gestalten, universelle Muster erkennen und Humor und Liebe hinein weben.
Wann immer wir das Gefühl haben, da zieht eine Gruppe einen Kreis um sich und schließt andere aus, können wir einen größeren Kreis um uns alle ziehen, der „die“ und „uns“ umfasst.
Der Tanz der Völker hat viele Beine und Stolpersteine. Er geht kreuz und quer über viele Grenzen. Der globale Tausendfüssler -also wir selbst- gerät dabei manchmal ins stolpern. Aber dann können wir improvisieren und gemeinsam einen neuen Tanz daraus machen. Und das haben wir auf dem Symposium immer wieder getan! Wenn wir aber aufhören das zu tun, dann erleben wir eine Spaltung unserer Gesellschaft.

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